25. Mrz 2020

5. Geburtsbericht Hausgeburt

Ich freue mich euch eine neue Geburtsreise zu präsentieren. Der Geburtsbericht von einem kleinen Regenbogenjungen der zu Hause geboren wurde. Womit der werdende Papa bei einer Hausgeburt gut beschäftigt ist, erfahrt ich auch :)

Als ich merkte, dass ich schwanger war, war ich ziemlich aufgewühlt. Hatte ich doch erst vor kurzem mein zweites Kind in der achten Schwangerschaftswoche still geboren. Dankbar, dass es sich selbst auf den Weg gemacht hatte und ich keinen Eingriff benötigte.

Die Trauer war noch gross und doch hat sich ein neues Kind angekündigt das bei uns sein wollte. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl und doch war die Angst auch immer wieder da. So ging ich auch schon recht früh zu einer Kontrolle, einfach um zu wissen, dass alles gut ist. Die Schwangerschaft verlief ruhig, ich fühlte mich nach der ersten Übelkeit gut und freute mich unheimlich auf die Geburt.

Nachdem ich bei der ersten Geburt Mühe hatte loszulassen, wusste ich, dass ich mich ganz fest vorbereiten wollte. Ich habe ganz viele positive Geburtsberichte gelesen, schaute Videos, las die Bücher „Luxus Privatgeburt“ und „Hypnobirthing“. Ins Schwangerschaftsyoga ging ich regelmäßig. Das Geburtshaus in dem unsere erste Tochter zur Welt kam, musste leider schliessen. Die Hebammen haben aber eine Praxis gegründet und so hatte ich schon früh Kontakt zu ihnen aufgenommen. Wir haben uns für eine Hausgeburt entschieden, mit der Option bei den Hebammen in der Praxis ambulant zu gebären. In unserem Umfeld haben wir nicht wirklich über die Hausgeburt gesprochen, ich wollte mich so schützen. Drei Wochen vor Termin sind die Hebammen bereit für die Hausgeburt, als dieses Datum endlich kam, war ich ziemlich erleichtert und bereit das es nun losgehen konnte. Am 10. März, es war ein Dienstag und frühlingshaft warm, merkte ich am Morgen das sich etwas tut. Eine freudige Spannung bereitete sich in mir aus. Ich ging mit meiner Tochter Gemüse und Poulet einkaufen, damit ich die Wochenbettsuppe kochen konnte. Am Nachmittag gingen wir zu meiner Mutter in den Garten und ich musste immer wieder eine Wehe veratmen und mein Becken kreisen. Meine Tochter durfte dann bei meiner Mutter bleiben und ich lief nach Hause, ehrlich gesagt, weiss ich nicht mehr wie ich nach Hause gekommen bin. Zuhause schnippelte ich das Gemüse und setzte die Suppe auf.

Mein Mann kam von der Arbeit und ich erzählte wie es mir geht. Er ging dann noch ewig duschen, was er später etwas bereute. Danach schlug er vor noch etwas essen zu gehen. Aber ich war schon so im Geburtsprozess, ich wollte bestimmt nicht noch raus gehen. Nach dem Abendessen ging ich ins Bett. Aber um 21.00 Uhr musste ich wieder aufstehen, die Wehen wurden immer stärker und ich musste richtig mit atmen. Mit einer Wehenapp begann ich die Abstände der Wehen zu messen und mein Mann legte schon mal die Abdeckfolie aus und pumpte den Pool auf. Den Pool konnten wir von den Hebammen mieten. Ich rief in der Zwischenzeit die Hebamme an und schilderte die Situation. Sie fragte noch, ob sie eine Hebammenschülerin mitbringen darf, was ich bejahte und dann machte sie sich auf den Weg. Mein Mann fühlte den Pool mit dem wenigen heissen Wasser das noch im Boiler war und dann fing das grosse Wasserkochen an. Alle Pfannen und der Wasserkocher liefen auf Hochtouren. Ich hoffte einfach fest, dass es reichen wird und ich ins Wasser kann. Ich rüstete mir zwischen den Wehen Tee und eine Geburtskerze, die mir wichtig war. Die Wehen konnte ich gut veratmen. Ich tauchte immer wieder in die Atmung ein, liess den Atem zu meinem Kind fliessen und war einfach nur glücklich. Um 22.30 Uhr waren die erste Hebamme und die Schülerin bei uns. Sie richteten sich ein, amüsierten sich übers Wasser kochen. Dann machten wir ein CTG, alles ruhig- das Geräte schnurrte so, dass unsere Kater völlig fasziniert war. Nach dem CTG testeten wir die Temperatur des Wassers und ich stieg ein, es war noch etwas kühl, aber nach der nächsten Pfanne wurde es wohlig warm. Und die zweite Hebamme traf auch ein. Das Zimmer war geheizt, mit gedämpftem Licht, ich im Pool und die drei Hebammen und mein Mann sassen rundum. Die Wehen haben sich beruhigt und ich dachte nur:" ui hoffentlich geht’s weiter". Es war ein lustiges Bild. Nach einem kurzen Moment ging es dann auch weiter, ich konnte in meinem Rhythmus mit den Wehen arbeiten, mein Mann reichte mir Tee und die Hebammen unterstützten mich mit Lob. Sie fragten mich ob sie mich vaginal untersuchen sollen und ich bejahte. Das Köpfchen war schon tief und ich war sehr motiviert. Die Intensität steigerte sich rasant, ich konnte immer wieder eintauchen und bei mir bleiben. Plötzlich platzte die Fruchtblase, ich erschrak und bin aus meinem Atemrhythmus gefallen. Zum Glück hatte die Hebamme sofort reagiert und mich zurück in meine Mitte geholt und mich motiviert zu fühlen, ob das Köpfchen schon da ist. Und wow ich konnte es fühlen, mit der nächsten Wehe rutschte der Kopf nach vorne und ging wieder zurück. Ich sprach mit meinem Baby, komm nach vorne- ich warte auf dich. Zwei dreimal ging der Kopf wieder zurück und ich sagte laut: „es will nicht kommen“ und dann gebar ich den Kopf. Was für ein Gefühl. Mit der nächsten Wehe war das ganze Baby geboren. Die Hebamme hat mich angeleitet, dass ich mich hinsetzten konnte und sie mir mein Kind sofort auf die Brust legen konnte. Wir waren überwältigt. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren und war sehr erstaunt, dass vom Platzen den Fruchtblase bis zur Geburt 10 Minuten vergangen waren. Der kleine Junge wurde um 02.10 Uhr geboren.Weil es langsam kühl wurde, wechselten wir zur Plazentageburt in Schlafzimmer. Mein Baby war immer bei mir, warm zugedeckt. Wir durften einfach nur geniessen und die Hebammen haben währenddessen den Pool ausgelassen und aufgeräumt. Danach wurde der kleine Junge untersucht und die Hebamme erklärte uns, warum der Kopf immer wieder zurück gerutscht ist, er hatte eine Hand am Kopf vorne. Ich hatte eine kleine Verletzung die die Hebamme gleich versorgte. Die zweite Hebamme und die Hebammenschülerin verabschiedeten sich. Die erste Hebamme blieb bis am Morgen bei uns.